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Kommunikationsarchitektur intelligenter Umspannstationen – Von harter Echtzeitüberwachung bis zur sicheren Datenrückführung

Nov 14

3 Min. Lesezeit

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Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung: Die Kommunikationsgrundlage des Smart-Grid-Zeitalters

  2. Gesamtarchitektur des Kommunikationssystems einer intelligenten Umspannstation 

  1. Zentrale Kommunikationspfade und Datenflüsse: Echtzeitfähigkeit und Big-Data-Analyse 

  1. Gestaltungsprinzipien für Kommunikationsnetze im Energiesektor

  2. Einsatz industrieller Router in Kommunikationssystemen der Energiewirtschaft

  1. Netzwerktopologien und Vergleich verschiedener Lösungsszenarien

  2. Fallstudie: Modernisierung einer 110-kV-Umspannstation

  3. Zukunftstrends: Integration von 5G, TSN und Energy Edge Computing

  4. Fazit: Mehr Intelligenz und mehr Sicherheit im Energiesystem


1. Einleitung: Die Kommunikationsgrundlage des Smart-Grid-Zeitalters


Mit der beschleunigten globalen Energiewende entwickelt sich das Smart Grid zum zentralen Rahmen für die digitale Transformation des Energiesektors. Laut ITU-Bericht 2024 werden die weltweiten Investitionen in Smart Grids bis 2030 auf über eine Billion US-Dollar steigen – über 35 % davon entfallen auf Kommunikationsinfrastrukturen.


Das Kommunikationsnetz verbindet Erzeugung, Übertragung, Umspannwerke, Verteilung und Verbrauch. Es ist die Schlüsseltechnologie, die bidirektionale Interaktion und Echtzeitoptimierung ermöglicht.


Intelligente Umspannstationen haben sich vom reinen Energieumwandlungsort zu Datenknotenpunkten für: Datenerfassung, Echtzeitüberwachung, Automatisierte Steuerung, Sichere Fernübertragung entwickelt. Ein zuverlässiges Kommunikationssystem stellt sicher, dass Leitstellen Trennbefehle innerhalb von Millisekunden senden können – entscheidend für die Vermeidung großflächiger Ausfälle.


Zentrale Herausforderungen sind:

  • Elektromagnetische Störungen und extreme Wetterbedingungen

  • Explosionsartiges Datenwachstum (Terabyte pro Tag)

  • Zunehmende Cyberangriffe


Dieses Dokument analysiert die vollständige Kommunikationsarchitektur intelligenter Umspannstationen – vom innerstationären Netz bis zur externen Datenrückführung – und bietet praxisorientierte Strategien und Fallbeispiele.


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2. Gesamtarchitektur des Kommunikationssystems einer intelligenten Umspannstation 


Intelligente Umspannstationen basieren strikt auf dem internationalen Standard IEC 61850 und nutzen eine verteilte, mehrschichtige Architektur.Das Kernmodell lautet: „Drei Ebenen, Zwei Netze“

  • Drei Ebenen: Prozessebene, Feldebene, Stationsebene

  • Zwei Netze: internes Stationsnetz (Echtzeitsteuerung) und externes Netz (Fernübertragung)


2.1 Vergleich der Drei-Ebenen-Architektur

Ebene

Hauptgeräte

Beschreibung

Kommunikation

Typische Protokolle

Erweiterte Funktionen

Prozessebene

Sensoren, MU, IED

Erfassung von Strom, Spannung, Statussignalen

Mikrosekunden-Sampling, hohe EMV-Robustheit

SV, GOOSE

Zeitsynchrone Erfassung

Feldebene

Schutzgeräte, Steuergeräte, Industrie-Switches

Logikverarbeitung & Schutzaktionen

Latenz im Millisekundenbereich

MMS, GOOSE

Verteilte Schutzlogik

Stationsebene

SCADA, Gateways, industrielle Router

Datenaggregation & Fernübertragung

Verschlüsselte Übertragung, >1 Gbps

DNP3, IEC 104

Nord-/Südkommunikation

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2.2 Übertragungsmedien & Redundanz

  • Stationsintern: Glasfaser-Ethernet mit ERPS/RSTP-Redundanz, < 50 ms Umschaltzeit

  • Stationsextern: Optische Leitungen, ergänzt durch 5G/Satellit, 99,999 % Verfügbarkeit

  • Vorteile: modular, skalierbarHerausforderungen: Interoperabilität, Integration heterogener Systeme


2.3 Vergleich: Traditionelle vs. intelligente Architektur

Dimension

Traditionell

Intelligent

Verbesserung

Datenübertragung

Analoge Signale

Digitale Glasfaser

Verzögerung: Sekunden → Millisekunden

Vernetzung

Punkt-zu-Punkt

IEC-61850-Verbund

>1000 Geräte

Überwachung

Manuelle Kontrolle

SCADA + KI

80 % schnellere Reaktion

Erweiterbarkeit

Hohe Kosten

Modular + TSN/5G

Zukunftssicher (IPv6)


3. Kommunikationspfade und Datenflüsse


3.1 Datenflusswege

3.1.1 Datenerfassung: Primärsignale → SV-Streams durch MU

3.1.2 Steuerung & Überwachung: GOOSE-Austausch zwischen IEDs

3.1.3 Datenübertragung: SCADA → Router → Leitstelle

3.1.4 Befehlsrückführung: Automatisierte Steuerbefehle der Netzleitstelle


Eine 110-kV-Station erzeugt täglich ca. 50 GB Daten, davon 70 % Echtzeitdaten.


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3.2 Leistungssteigerungen

Bereich

Traditionell

Intelligent

Verbesserung

Erfassung

Analog

Digitale SV-Daten

1000× höhere Abtastrate

Verarbeitung

Zentrale PLC

Verteilte IEDs + Edge-KI

<5 ms

Übertragung

Kupfer

Glasfaser + Funk-Backup

10 Mbps → 10 Gbps

Analyse

Manuell

Cloud-KI

>95 % Genauigkeit


4. Designprinzipien für sichere und deterministische Energienetze 


Moderne Netze folgen dem 4R-Prinzip: Reliability, Real-Time, Resilience, Security.

Prinzip

Traditionell

Modern

Effekt

Redundanz

Manuell

ERPS/VRRP

< 50 ms

Echtzeit

Asynchron

TSN-Synchronisation

Jitter < 1 ms

Isolation

Physisch

SDN-Virtuelle Netze

> 99 % Erkennung

Sicherheit

Einfach

IPSec + Quanten-Key

Hohe Cyber-Resilienz


5. Industrielle Router im Energiesektor 


Industrielle Router sind zentrale Kommunikationseinheiten und erfüllen industrielle Anforderungen wie Temperaturbereich, Vibrationsfestigkeit und Blitzschutz.


5.1 Zentrale Funktionen

  • Daten-Gateway: IEC 104 / MQTT / OPC UA

  • Kommunikationsknoten: 4G/5G-Dualmode

  • Sicherheit: Firewall, IDS

  • Edge-KI: On-Device-Analyse


5.2 Einsatzstrategien

Szenario

Hauptlink

Backup

Besonderheiten

Kosten

Städtische Station

Glasfaser

5G

Dual-WAN

5.000–8.000 ¥

Bergregion

4G/5G VPN

Satellit

Hochgewinnantenne

8.000–12.000 ¥

Knotenstation

10G + TSN

Doppel-5G

SDN + AI-Healing

>15.000 ¥

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6. Netzwerktopologien & Vergleich

Topologie

Eigenschaften

Einsatz

Vorteile

Nachteile

Ring

Automatische Umschaltung

Mittel-/Großstationen

Hohe Verfügbarkeit

Komplex

Stern

Zentral

Kleine Stationen

Geringe Latenz

Single-Point-Failure

Getrennte Netze

Kontrolle/Management getrennt

Hochsicherheit

Höchste Isolation

Höhere Kosten

5G + Glasfaser

Dynamische Last

Abgelegene Stationen

Flexibel

Schwankende Bandbreite

Mesh

Vollvermascht

Verteilte Energie

Hohe Robustheit

Hohe Funklast


7. Fallstudie: 110-kV-Modernisierung 


Projektkontext:50 km² Gebiet, >150 Geräte, >95 % unbemannt.

Umsetzung:

  • Dual-Ring IEC 61850

  • End-to-End-VPN + SIEM

  • Mobile App + AR-Inspektion


Ergebnisse

Kennzahl

Vorher

Nachher

Verbesserung

Umschaltzeit

500 ms

<50 ms

+90 %

Datensynchronisation

95 %

99,98 %

+5,3 %

Sicherheitsreaktion

5 min

1,5 min

+70 %

Opex

500.000 ¥

200.000 ¥

−60 %


8. Zukunftstrends: 5G, TSN und Energy Edge Computing 

Trend

Heute

Zukunft

Effekt

5G

Backup

Private Netze + Slicing

>100.000 Verbindungen

TSN

QoS-Basis

Vollständige Zeitsynchronisierung

Mikrosekundensteuerung

Edge Computing

Cloudzentral

Föderiertes Lernen

<10 ms Latenz

KI-Selbstheilung

Manuell

Automatische Analyse

Fehlerquote → 0,01 %

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9. Fazit 


Die Entwicklung der Kommunikationsarchitektur intelligenter Umspannstationen ist nicht nur technischer Fortschritt, sondern strategische Energie- und Betriebssicherheit.


Durch IEC 61850, TSN, 5G-Privatnetze und Edge Computing entsteht ein Energiesystem, das „fühlt, denkt und sich selbst heilt“.


Diese Technologien werden langfristig die digitale Transformation der Energiebranche vorantreiben – von erneuerbaren Energien über Speicher bis zu KI-basierter Netzführung.

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