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Detaillierte Erklärung des Modbus-Protokolls: Von Hintergrund, Entwicklung, Prinzipien bis zur Konfiguration in der Praxis

4 days ago

13 Min. Lesezeit

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Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung: Warum hat Modbus 40 Jahre überlebt?

  2. Historischer Hintergrund und Entwicklung von Modbus

  1. Protokollarchitektur von Modbus

  1. Die drei Hauptversionen: RTU / ASCII / TCP

  1. Nachrichtenstruktur und Funktionscodes im Detail

  1. Technische Unterschiede zwischen Modbus RTU und TCP

  2. Praktische Anwendungsszenarien in der Industrie

  1. Typische Bereitstellung von Modbus in Industriegateways/-routern

  1. Konfigurationsablauf (sehr detailliert)

  1. Beispiel: Konfigurationsfallbeispiel für Modbus RTU/TCP vor Ort in der Automatisierungstechnik

  2. Häufige Fehler und Lösungsansätze

  3. Zusammenfassung


1. Einleitung: Warum hat Modbus 40 Jahre überlebt?


Modbus ist der "unsterbliche Klassiker" im Bereich der industriellen Kommunikationsprotokolle. Seit seiner Entstehung im Jahr 1979 sind 45 Jahre vergangen, und dennoch nimmt es weltweit eine zentrale Stellung in industriellen Automatisierungssystemen ein. Laut der Modbus Organization unterstützt das Modbus-Protokoll bis 2025 Geräte von über 1000 Herstellern mit mehreren hundert Millionen Geräten. In Branchen wie Energie, Elektrizität, Petrochemie, Umweltschutz, Wasserwirtschaft und Fertigung hat es als Standard für die Datenerfassung auf Feldebene immer noch einen Marktanteil von über 40%. Warum hat dieser "alte Hase" dem Ansturm neuer Protokolle wie Industrie 4.0, OPC UA, MQTT standgehalten und ist unerschütterlich geblieben?


Das Geheimnis der Langlebigkeit von Modbus liegt in seiner extremen Einfachheit und Pragmatismus. Es ist kein komplexes verteiltes System, sondern eine "schlanke Brücke", die speziell für den industriellen Feldeinsatz entwickelt wurde und sich auf die Lösung der grundlegendsten Kommunikationsbedürfnisse zwischen Geräten konzentriert. Zu seinen Kernvorteilen gehören:

  • Äußerst einfache Architektur: Erfordert nur ein Master-Slave-Abfragemechanismus (Polling), keine komplexen Routing- oder Synchronisationsalgorithmen, Einsteiger können es innerhalb eines halben Tages erlernen.

  • Offen und kostenlos, keine Lizenzgebühren: Modbus ist ein echtes Open-Source-Protokoll (Public Domain), das jeder Hersteller kostenlos implementieren kann, was Patentbarrieren vermeidet. Dadurch wurde es schnell zum "USB-Anschluss der Industrie".

  • Von jedem Hersteller implementierbar: Hoher Standardisierungsgrad, starke Kompatibilität. Selbst Low-End-MCUs (wie STM32) können problemlos einen Modbus-Stack einbetten.

  • Läuft auf sehr kostengünstiger Hardware: Benötigt nur einen RS-485-Chip (Kosten unter 1 USD) für eine zuverlässige Übertragung, geeignet für budget-sensitive kleine und mittlere Projekte.

  • Flexible Topologie (insbesondere RS485): Unterstützt Bus-Verbindungen, ein Kabel kann bis zu 247 Geräte anbinden, geringe Verkabelungskosten.

  • Hat ein riesiges Ökosystem gebildet, das nicht über Nacht ersetzt werden kann: Millionen von Altgeräten weltweit sind auf Modbus angewiesen, die Migrationskosten sind hoch. Neue Protokolle wie OPC UA sind zwar intelligenter, benötigen aber oft Modbus als "Anpassungsschicht".


Selbst in der Welle der digitalen Transformation wird Modbus nicht ersetzt, sondern erweitert: Durch Industriegateways wird es nahtlos mit MQTT oder Cloud-Plattformen verbunden, um vom "Inseldasein" zum "Internet der Dinge" zu springen. Stellen Sie sich vor: Ein PLC-Messgerät aus den 1980er Jahren überträgt seine Modbus-RTU-Daten über ein Gateway, das sie in JSON-Format umwandelt und an Alibaba Cloud sendet – das ist die moderne Vitalität von Modbus. Dieser Artikel wird Modbus von Grund auf analysieren, von der Geschichte bis zur Praxis, um Ingenieuren, Entscheidungsträgern und Studenten zu helfen, diesen industriellen Grundstein zu beherrschen. Wenn Sie ein Modbus-Neuling sind, wird dieses Whitepaper Sie von Null auf Expertenniveau bringen; wenn Sie ein erfahrener Praktiker sind, kann es als Konfigurationshandbuch dienen.


2. Historischer Hintergrund und Entwicklung von Modbus


2.1 Entstehungshintergrund

In den 1970er Jahren befand sich die industrielle Automatisierung im Wandel von elektromechanischen Relais zu speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS). Die Firma Modicon (gegründet 1968, heute eine Tochtergesellschaft von Schneider Electric) erfand 1968 die erste SPS, sah sich aber bald mit dem Problem "kommunikativer Insellösungen" konfrontiert: SPSen mussten mit externen Sensoren, Aktoren und Messgeräten interagieren, scheiterten jedoch aufgrund fehlender einheitlicher Standards. Proprietäre Protokolle jedes Herstellers trieben die Integrationskosten in die Höhe – z.B. konnte die Anbindung eines Honeywell-Messgeräts an eine Modicon-SPS Monate dauern und einen maßgeschneiderten Adapter erfordern.


1979 entwarfen Modicon-Ingenieure um Dick Morley, inspiriert von einfachen Abfrage-Antwort-Modellen aus der Telekommunikation (wie dem Teletype-Protokoll), ein Protokoll, das speziell für industrielle Feldgeräte optimiert war. Es realisierte erstmals eine "einheitliche Sprache": Der Master (SPS) sendet eine standardisierte Abfrage, der Slave (Messgerät) antwortet in einem festen Format. Dies war nicht nur eine technische Innovation, sondern ein Katalysator für die industrielle Revolution – Modbus ließ Automatisierungssysteme von "Einzelgeräten" zu "Netzwerken" werden und legte den Grundstein für nachfolgende Feldbussysteme (Fieldbus).


2.2 Entwicklungsgeschichte

Die Entwicklung von Modbus ist eine Epik der industriellen Kommunikation, vom seriellen "Einzelgänger" zum TCP-"Netzwerkbürger". Hier die Meilensteine:

Zeit

Meilenstein

Auswirkung & Details

1979

Modbus RTU & ASCII veröffentlicht

Erste Version für RS-232/RS-485, RTU binär effizient, ASCII lesbar zum Debuggen. Zuerst in Modicon-SPSen verwendet.

1980er

Weite Verbreitung in nordamerikanischen Fabriken

Löste PLC-Messgerät-Integrationsprobleme, Marktanteil schnell auf 70% steigend.

1996

Modbus TCP/IP veröffentlicht

Portierung auf Ethernet (Port 502), Geschwindigkeitssprung von 19,2 kbps auf 100 Mbps, Unterstützung für LAN/WAN.

2002

Modbus Organization gegründet, wird offener Standard

Non-Profit-Organisation verwaltet die Spezifikation, kostenloser Download, treibt globale Standardisierung voran.

2006

Modbus Plus (Hochgeschwindigkeitsvariante), aber TCP setzt sich durch

Plus erreicht 1 Mbps, aber hohe Kosten; TCP wirtschaftlicher.

2010-2020

Integration von Industriegateways, Modbus → MQTT/OPC UA Konvertierung

Anpassung an IoT, Gateways wie Sierra Wireless AirLink unterstützen Protokoll-Bridging.

2020+

Wird zum "Standardprotokoll für industrielle Erfassungsebene", unterstützt Edge Computing & 5G

Kombination mit TSN (Time-Sensitive Networking) für Smart Manufacturing; Sicherheitserweiterungen wie Modbus Secure.

Diese Entwicklung zeigt die Anpassungsfähigkeit von Modbus: Vom lokalen Bus bis zur Cloud-Anbindung folgt es stets der Hardware-Entwicklung.


2.3 Warum wurde Modbus nicht abgelöst?

Die "Langlebigkeit" von Modbus resultiert aus der "Schmerzpunkt-Ökonomie" der realen Industrie. Neue Protokolle wie OPC UA bieten zwar semantische Beschreibung und Sicherheit, haben aber hohen Rechenaufwand (benötigen 100KB+ Stack) und sind für Low-End-Geräte ungeeignet. Modbus benötigt nur etwa 1 KB Code und läuft auf 8-Bit-MCUs. Daten zeigen, dass 60% der industriellen Geräte weltweit noch Altysteme (< Baujahr 2010) sind, deren Migration zu Modbus nur 1/10 der Kosten von OPC UA verursacht.


Noch wichtiger ist, dass Modbus und moderne Protokolle sich ergänzen, anstatt zu konkurrieren: Es konzentriert sich auf die "Datenerfassungsebene", während MQTT/OPC UA für "Transport- und Integrationsebene" zuständig sind. In IIoT-Architekturen zieht Modbus z.B. Messgerätedaten, das Gateway wandelt sie in OPC UA um und meldet sie an MES-Systeme. Diese "schichtübergreifende Zusammenarbeit" sorgt dafür, dass Modbus auch in der Industrie 5.0 im Jahr 2025 weiterhin als "grundlegender Klebstoff" dient.


3. Protokollarchitektur von Modbus


Modbus ist im Wesentlichen ein Master-Slave-Kommunikationsprotokoll, das das Client-Server-Modell verwendet, aber für industrielle Echtzeit optimiert ist. Kernprinzip: Der Master fragt aktiv ab, der Slave antwortet passiv. Dies vermeidet Kollisionserkennung (wie CSMA/CD) und gewährleistet deterministische Latenz (<10 ms).


3.1 Grundlegende Architektur

text

+-------------------+    Abfrage/Anfrage    +-------------------+
|   Master          | --------------------> |   Slave           |
| (SPS/Gateway/HMI) |                       | (Sensor/Messgerät)|
|                   | <-------------------- |                   |
+-------------------+    Antwort/Daten      +-------------------+
  • Master: Einziger Initiator, verantwortlich für die Abfrageplanung (z.B.轮询 alle Slaves alle 1s). Unterstützt Multi-Master-Erweiterung (benötigt Arbitrierung).

  • Slave: Eindeutige Adresse (1-247), antwortet nur auf passende Abfragen. Adresse 0 ist Broadcast (keine Antwort).

  • Kommunikationsmedium: Seriell (RTU/ASCII) oder TCP (Netzwerk).


3.2 Datenmodell

Modbus abstrahiert Geräte als "Registerkarte":

  • Bitebene (Bits): Coils (Ausgänge) und Discrete Inputs (Eingänge), simulieren Schalter.

  • Wortebene (16-Bit-Wörter): Holding Registers (Lesen/Schreiben) und Input Registers (Nur-Lesen), speichern Analogwerte wie Temperatur.


Die Protokollschichtung entspricht einem vereinfachten OSI-Modell:

  • Anwendungsschicht: PDU (Protocol Data Unit, Funktionscode + Daten).

  • Transportschicht: RTU (CRC-Kapselung) oder TCP (MBAP-Header).

  • Physikalische Schicht: RS-485 oder Ethernet.

Diese Struktur gewährleistet geringen Overhead: Ein Abfrage-Frame ist nur 8-256 Byte groß, Antwortrate >99,9%.


ree

4. Modbus drei Hauptversionen: RTU / ASCII / TCP


Modbus unterstützt drei Kapselungsvarianten, optimiert für verschiedene Medien. RTU ist am beliebtesten (80% Marktanteil), TCP wächst am schnellsten (IoT-getrieben).


4.1 Modbus RTU (Klassisch & Häufigst)

Laufumgebung: Serieller Bus (RS-232/422/485), Halbduplex, differenzielle Signale störfest.

Merkmale:

  • Binäre Übertragung: Kompakt und effizient, Frames werden durch 3,5 Zeichen Stille getrennt.

  • CRC-16-Prüfsumme: Polynom 0xA001, gewährleistet 99,99% Integrität.

  • Übertragungsrate: 300-115200 bps, Standard 9600.

  • Entfernung/Topologie: 1200m Bus, 32 Slaves (mit Verstärkern auf 247 erweiterbar).

  • Vorteile: Geringe Kosten (<0,5 €/m Kabel), starke Störfestigkeit (EMV-Umgebung).

  • Nachteile: Halbduplex, schwierig zu debuggen (benötigt Hex-Tools).

Typische Topologie:

text

Master (Gateway) ── RS485 (A+/B-) ── Slave1 (Messgerät) │
├─ Slave2 (Sensor)
└─ Slave3 (Aktor) [Abschlusswiderstand 120Ω an beiden Enden]

Anwendbar: Altsysteme, Fernüberwachung.


4.2 Modbus ASCII (Frühe Version)

Laufumgebung: Wie RTU, aber mit druckbaren ASCII-Zeichen (0x30-0x39, A-F).

Merkmale:

  • LRC-Prüfsumme: Longitudinal Redundancy Check, einfach aber schwächer als CRC.

  • Frame-Format: Beginnt mit ':', endet mit '*', jedes Byte als zwei ASCII-Zeichen.

  • Effizienz: Gering (doppelte Framelänge), halbe Geschwindigkeit.

  • Vorteile: Menschlesbar, einfach mit Terminalprogramm zu debuggen.

  • Nachteile: Veraltet, nur von 5% der Geräte unterstützt.

Anwendbar: Lehre/Prototyping, wird meist durch RTU ersetzt.


4.3 Modbus TCP (Ethernet-Version)

Laufumgebung: TCP/IP-Netzwerk, Port 502, verbindungslos/verbindungsorientiert.

Merkmale:

  • MBAP-Header: 7 Byte (Transaktions-ID, Protokoll-ID=0, Länge, Unit-ID).

  • Keine Prüfsumme: Verlässt sich auf TCP-Checksum und Wiederholung.

  • Geschwindigkeit/Entfernung: 100 Mbps+, LAN unbegrenzt erweiterbar (Switch).

  • Nebenläufigkeit: Multi-Master, Multi-Slave, unterstützt UDP-Variante (Modbus UDP).

  • Vorteile: Einfache IT-Netzintegration, geringe Latenz (<1 ms), cloudfreundlich.

  • Nachteile: Schwache Sicherheit (keine Verschlüsselung), benötigt VPN/Firewall.

90% der modernen Geräte unterstützen TCP, Bridging zu RTU ist üblich.


ree


5. Nachrichtenstruktur und Funktionscodes im Detail


Das "Herz" von Modbus ist sein Frame, Standardisierung gewährleistet Interoperabilität. Alle Versionen teilen sich die PDU (Anwendungsdaten), unterschiedliche Kapselung.


5.1 Modbus RTU Nachrichtenstruktur

RTU-Frame kompakt, binär, keine feste Länge (8-256 Byte). Stille zwischen Frames ≥3,5 Zeichen (~1,75 ms @9600bps).

Feld

Länge (Byte)

Beschreibung

Beispiel (Lese Register 03)

Slave-Adresse

1

Ziel-ID (1-247, 0=Broadcast)

0x01

Funktionscode

1

Operationsbefehl (01-FF)

0x03

Datenbereich

variabel (0-252)

Parameter: Startadresse, High/Low Byte, Anzahl, Wert etc.

0x00 0x0A (Adr. 10), 0x00 0x01 (1 Stk.)

CRC16

2

Low-Byte zuerst, dann High-Byte; Polynom 0xA001

0xCD 0xAB (berechnet)


Vollständiges Beispiel: Master liest Holding Register Adresse 10, 1 Stück von Slave 1: 01 03 00 0A 00 01 CD AB. Antwort: 01 03 02 00 64 90 1A (Wert 100).

Ausnahmebeantwortung: Funktionscode + 0x80 (z.B. 0x83), gefolgt von Ausnahmecode (01=Ungültige Funktion, 02=Ungültige Adresse, 03=Ungültiger Wert).


5.2 Modbus TCP Nachrichtenstruktur

Fügt MBAP-Header hinzu, Gesamtlänge ≥12 Byte.

Feld

Länge (Byte)

Beschreibung

Transaktions-ID

2

Matcht Anfrage/Antwort (Unterscheidung mehrerer Transaktionen)

Protokoll-ID

2

Fest 0x0000

Länge

2

Anzahl nachfolgender Bytes (Unit-ID + PDU)

Unit-ID

1

Slave-Adresse (wird beim Bridging zu RTU verwendet)

PDU

variabel

Funktionscode + Daten

Beispiel: TCP-Leseregister-PDU identisch mit RTU, aber in TCP-Segment gekapselt.


ree


5.3 Wichtige Funktionscodes (Wichtigstes Wissen)

Funktionscodes definieren Operationen, 1-127 Standard, 128-255 privat. Erweiterte Tabelle mit Datenlänge und Beispiel:

Funktionscode

Hex

Name

Zweck & Datentyp

Anfragedatenlänge

Antwortdatenlänge

Beispielanwendung (Registerbeispiel)

01

0x01

Read Coils

Liest mehrere Coils (DO, Bitebene)

2 (Start+Anzahl)

2 + N/8 (N=Anzahl)

Liest Schaltzustände: 00001-00010

02

0x02

Read Discrete Inputs

Liest mehrere Discrete Inputs (DI, Nur-Lesen Bit)

2

2 + N/8

Überwacht Schwellen: 10001-10005

03

0x03

Read Holding Registers

Liest mehrere Holding Register (Lesen/Schreiben 16-bit)

2 (Start+Anzahl)

2 + 2N

Liest Temperatur: 40001-40003

04

0x04

Read Input Registers

Liest mehrere Input Register (Nur-Lesen Analog)

2 (Start+Anzahl)

2 + 2N

Liest Spannung: 30001-30002

05

0x05

Write Single Coil

Schreibt eine Coil (ON=FF00, OFF=0000)

2

4

Steuert Pumpe: 00001=ON

06

0x06

Write Single Register

Schreibt ein Register (16-bit Wert)

4

4

Setzt Schwellenwert: 40001=500

15

0x0F

Write Multiple Coils

Schreibt mehrere Coils (Bitmap)

4 + N/8

4

Steuert mehrere LEDs: 00001-00008

16

0x10

Write Multiple Registers

Schreibt mehrere Register (Mehrfachwerte)

5 + 2N

4

Aktualisiert PID: 40001-40004

17

0x11

Report Slave ID

Abfrage von Slave-Informationen (Firmware/Hersteller-ID)

0

variabel

Gerätediagnose

43/14

0x2B/0x0E

Read Device ID

Erweiterte Diagnose (MEI-Subcode)

2

variabel

Konformitätstest


Hinweis: Limitierung auf 125 (Register)/2000 (Bit), um Pufferüberlauf zu vermeiden. Ausnahmecodes siehe Spezifikation Kapitel 6.7.


5.4 Registeradress-Definitionstabelle (Wichtig)

Modbus-Adressen sind virtualisiert: Tatsächliche Hardware-Adresse = Protokolladresse - Basisadresse (je nach SPS unterschiedlich). Standardzuordnung:

Adressbereich

Basis

Funktion

Typ/Zugriff

Beispiel (Wertebereich)

Typischer Datentyp

0xxxx

0000

Coils (Relaisausgänge)

Lesen/Schreiben Bit

00001-09999 (Schaltausgänge)

BOOL

1xxxx

1000

Discrete Inputs (Diskrete Eingänge)

Nur-Lesen Bit

10001-19999 (Digitaleingänge)

BOOL

3xxxx

3000

Input Registers (Eingangsregister)

Nur-Lesen Wort

30001-39999 (Analogeingänge)

UINT16/FLOAT

4xxxx

4000

Holding Registers (Halteregister)

Lesen/Schreiben Wort

40001-49999 (Steuer-/Sollwerte)

UINT16/INT16

Ingenieurhinweis: Herstellerhandbücher liefern die "Registerzuordnungstabelle" (Register Map), z.B. Siemens S7-1200: 40001=Temperatur (Skalierung x0.1). FLOAT-Werte benötigen zwei kombinierte Register (Byte-Reihenfolge: Big-Endian).


6. Technische Unterschiede zwischen Modbus RTU und TCP


RTU geeignet für "schmutzige, raue" Feldebene, TCP für "digitalisierte" Netzwerke. Erweiterter Vergleich mit Leistungsdaten (@2025 Testdaten):

Merkmal

RTU

TCP

Analyse & Auswahlberatung

Physikalische Schicht

RS-485 (differenziell, störfest)

Ethernet (Twisted Pair/Faser)

RTU erste Wahl in der Fabrik; TCP für IT-Integration.

Entfernung

1200m (ohne Verstärker)

100m/unbegrenzt (Switch)

RTU für große Felddistanzen; TCP für Werksnetzwerk.

Geschwindigkeit

9,6-115,2 kbps

10/100/1000 Mbps

TCP 10x+ schneller, geeignet für große Datenmengen.

Störfestigkeit

Stark (differenziell+CRC)

Mittel (TCP-Wiederholung)

RTU für EMV-Störumgebungen; TCP benötigt Abschirmung.

Geräteanzahl

247 (Adresslimit)

Theoretisch unbegrenzt (IP)

TCP für große Skalierung; RTU für kleine Busse.

Konfigurationsaufwand

Hoch (Baudrate/Polarität)

Niedrig (IP/Port)

RTU benötigt Multimeter; TCP Ping-Test.

Leistung/Kosten

Niedrig (<1W/Gerät)

Mittel (benötigt NIC)

RTU für Batteriebetrieb; TCP für Edge Computing.

Sicherheit

Grundlegend (keine Verschlüsselung)

Kann TLS/VPN hinzugefügt werden

Beide benötigen Gateway-Verschlüsselung, TCP einfacher.

Latenz

10-50ms (Polling)

1-5ms (Nebenläufigkeit)

TCP für Echtzeitsteuerung; RTU OK für Überwachung.

ree

7. Praktische Anwendungsszenarien in der Industrie


Die Allgegenwart von Modbus resultiert aus seinem "Allzweck"-Design, das fast alle Geräteebenen der Erfassung abdeckt. Erweiterte Aufstellung nach Branchen mit konkreten Fallbeispielen:


7.1 Energiewirtschaft

  • Stromzähler/Schaltanlagen: Lesen 30001=Spannung, 40001=Leistung. Fallbeispiel: State Grid verwendet Modbus RTU zur Erfassung von 10kV-Schaltanlagendaten, Gateway in die Cloud.

  • Schutzeinrichtungen: Funktionscode 03 liest Fehlercodes, 05 schreibt Reset.

  • Umweltüberwachung: SF6-Gassensor, 1xxxx-Bereich Status.


7.2 Umwelt- und Wasserwirtschaft

  • Pumpen/Füllstandsmesser: 04 liest 30005=Füllstand (m), 06 schreibt 40010=Drehzahl (U/min).

  • Druck/Durchflussgeber: Rosemount 3051 Messgerät, standardmäßig 40001=Druck (bar x10).

  • Fallbeispiel: Yangtze Water Affairs Projekt, RS-485-Bus verbindet 50 Messgeräte, TCP-Bridging zu SCADA.


7.3 Erdöl-/Petrochemie

  • Messumformer/Messgeräte: Endress+Hauser Geräte, Lesen mehrerer kombinierter FLOAT-Register.

  • Prozessüberwachung: Funktion 16 schreibt Stapel von Ventil-PID-Parametern.

  • Fallbeispiel: PetroChina Raffinerie, Modbus TCP integriert DCS-System, Echtzeitüberwachung von 1000+ Punkten.


7.4 Fabrikautomation

  • Gerätedatenerfassung: Alte SPSen wie Allen-Bradley, lesen 4xxxx=Produktionszähler.

  • Fallbeispiel: Foxcon Fertigungslinie, Gateway konvertiert Modbus → Profinet.


7.5 Photovoltaik/Erneuerbare Energien

  • Stromsammler/Wechselrichter: Huawei SUN2000, 40001=DC-Spannung, 03 liest Leistungskurve.

  • Umgebungsmessgeräte: Pyranometer, 1xxxx=Schaltalarme.

  • Fallbeispiel: PV-Kraftwerk in der Wüste, RTU-Langstreckenerfassung, TCP-Upload zu Alibaba Cloud.

ree

8. Typische Bereitstellung von Modbus in Industriegateways/-routern


Industriegateways (wie Moxa MGate, Advantech ADAM) sind die "Wiederbelebungsmotoren" von Modbus, realisieren Protokoll-Bridging und Edge Intelligence. Bereitstellungswert: Ermöglicht 80% der Altgeräte den Anschluss an IIoT, Datennutzung steigt von 10% auf 90%.


8.1 Typische Architektur

text

[Feldgeräteebene] ── Modbus RTU (RS485) ── [Gateway/Router] ── Modbus TCP ── [Obere Systeme]
                                                                  │
                                                                  ├─ MQTT/HTTP ── Cloud-Plattform (Alibaba Cloud/AWS)
                                                                  └─ OPC UA ── MES/ERP
  • Konvertierungsfunktion: RTU → TCP (Seriell zu Ethernet), Modbus → MQTT (JSON-Kapselung, z.B. {"reg40001":25.5}).

  • Router-Rolle: Z.B. Cisco IR1101, unterstützt Modbus-Filterung (nur Lesen kritischer Register), VPN-Verschlüsselung.

  • Edge Computing: Gateway mit integriertem Lua-Skript, analysiert Daten (z.B. Temperatur>80°C Alarm-Push).


8.2 Bereitstellungsschritte Überblick

  1. Hardware-Auswahl: Gateway mit 4 seriellen Ports + 2 Ethernet, IP67-Schutz.

  2. Protokoll-Mapping: Konfiguriere "Kanäle": Kanal1=RTU-Polling, Kanal2=TCP-Ausgabe.

  3. Sicherheit: Aktiviere Modbus Secure (AES-Verschlüsselungserweiterung).

  4. Monitoring: Gateway-Web-UI Echtzeit-Logs, SNMP-Alarme.

Fallbeispiel: Shell Ölfeld, 100 RTU-Messgeräte über Gateway MQTT in die Cloud, 30% Wartungskostenersparnis.


ree

9. Konfigurationsablauf (sehr detailliert)


Konfiguration ist das Herzstück der Modbus-Engineering, erfordert Kombination mit Gerätehandbuch. Unterscheidung RTU/TCP, inklusive Tool-Empfehlungen (Modbus Poll/Slave Simulator).


9.1 Konfiguration Modbus RTU (RS485)

Schritt 1: Kommunikationsparameter bestimmen

Vom Slave-Handbuch (z.B. ABB Messgerät) entnehmen:

Parameter

Beispielwert

Erläuterung

Baudrate

9600 bps

Muss für alle Geräte gleich sein, Timeout vermeiden

Datenbits

8

Standard

Stoppbits

1

Bei Even/None Parity 2 verwenden

Parität

None/Even

Even für bessere Störfestigkeit

Slave-Adresse

1-247

Werkseinstellung oft 1, softwareänderbar

Tool: Terminalprogramm (SSCOM) zum Parameter-Test.

Schritt 2: Verkabelung & Hardware

  • RS-485-Verbindung: A+ zu A+, B- zu B-, GND gemeinsame Masse (vermeidet Erdungsschleifen).

  • Topologie: Daisy-Chain (Bus), 120Ω Abschlusswiderstand an beiden Enden.

  • Test: Multimeter misst Spannungsdifferenz (A-B >0,2V im Leerlauf).

    ree

Schritt 3: Registertabelle eingeben

Hersteller liefert Excel/PDF-Zuordnung, z.B.:

Parameter

Adresse

Typ

Länge

Skalierungsfaktor

Einheit

Temperatur

40001

UINT16

1

/10

°C

Feuchtigkeit

40002

UINT16

1

/10

%

Status

00001

BOOL

1

-

-

Schritt 4: Polling im Master konfigurieren

  • Software: SPS wie Siemens TIA Portal, oder Gateway-Web-UI.

  • Parameter: Adresse=1, Code=03, Start=40001, Länge=2, Zyklus=1000ms.

  • Beispielkonfiguration (TIA-Baustein):

    text

    MB_MASTER( REQ := TRUE, PORT := 1, // Serieller Port MODE := 0, // RTU DATA_ADDR := 16#40001, DATA_LEN := 2);

Schritt 5: Datentypen interpretieren

  • Skalierung: Rohwert=256 → Temperatur=25,6°C (Rohwert/10).

  • Kombination: FLOAT = reg1<<16 | reg2 (Big-Endian).

  • Tool: Python pymodbus testen:

    python

    from pymodbus.client import ModbusSerialClient client = ModbusSerialClient(method='rtu', port='COM1', baudrate=9600) result = client.read_holding_registers(40001, 1, slave=1) temp = result.registers[0] / 10.0 print(f"Temperatur: {temp}°C")


9.2 Konfiguration Modbus TCP

Schritt 1: Slave-IP bestätigen

  • Statische IP: 192.168.1.10/24, Gateway 192.168.1.1.

  • Port: 502, Firewall öffnen.

  • Test: telnet 192.168.1.10 502 oder Ping.

Schritt 2: Verbindungsparameter setzen

  • Master: Maximale Verbindungen=10, Timeout=500ms, Wiederholungen=3.

  • Sicherheit: Keep-Alive aktivieren, TLS 1.2 (optional).

Schritt 3: Registerlesen konfigurieren

Wie RTU, aber mit IP:

python

from pymodbus.client import ModbusTcpClient
client = ModbusTcpClient('192.168.1.10', port=502)
result = client.read_holding_registers(40001, 1, unit=1)
ree

10. Beispiel: Konfigurationsfallbeispiel für Modbus RTU/TCP vor Ort in der Automatisierungstechnik


Szenario: Wasseraufbereitungsanlage erfasst Daten von Temperaturmessgeräten (RTU), über Gateway an Cloud-Plattform (MQTT). Ziel: Echtzeit-Überwachung von pH/Temperatur, Störmeldung.

Geräte:

  • Slave: Endress+Hauser pH-Messgerät (RS-485, Adresse=5, 9600/N/8/1).

  • Master: Moxa MGate MB3170 Gateway (2 serielle Ports + Ethernet).

  • Cloud: EMQ X MQTT Broker.

Detaillierter Ablauf:

  1. Hardware-Verbindung:

    • Messgerät RS-485 A/B → Gateway Port1 A/B.

    • Gateway Eth0 → Switch (IP: 192.168.1.100).

  2. Gateway serielle Einstellungen (Web-UI):

    • Port1: 9600, 8N1, RTU-Modus.

    • Gerät hinzufügen: Slave-ID=5, Registertabelle importieren (40001=Temperatur, 40002=pH).

  3. Modbus Polling-Aufgabe hinzufügen:

    • Aufgabe1: Code=03, Start=40001, Länge=2, Intervall=5s.

    • Dateninterpretation: Temperatur = reg[0]/10, pH = reg[1]/100.

  4. MQTT Konvertierung konfigurieren:

    • Broker: emqx.cn:1883, Topic: /water/temp.

    • Payload: JSON {"device":"PH001", "temp":25.6, "ph":7.2, "ts":"2025-11-18T12:00:00Z"}.

    • Regel: IF temp>40 THEN Alarm Topic /alert.

  5. TCP Bridging (Optional):

    • Gateway Port2: Modbus TCP Server (502), erlaubt SPS Lese-/Schreibzugriff.

  6. Test & Inbetriebnahme:

    • Mit Modbus Poll Master simulieren, Antwort verifizieren.

    • Cloud Topic abonnieren, Datenstrom bestätigen.

    • Monitoring: Gateway-Logs auf CRC-Fehlerrate <0,1% prüfen.

Ausgabebeispiel (MQTT-Nachricht):

json

{
  "device": "PH001",
  "temp": 23.6,
  "ph": 7.12,
  "status": "OK",
  "timestamp": "2025-11-18 12:00:00"
}
ree

11. Häufige Fehler und Lösungsansätze


Modbus-Stabilitätsrate >99%, aber viele Feldvariablen. Erweiterte Fehlerbaumanalyse, inkl. Wahrscheinlichkeit & Tools:

Symptom

Wahrscheinlichkeit

Mögliche Ursache(n)

Lösungsansatz & Fehlerbehebung

Tool-Empfehlung

Keine Antwort/Timeout

40%

Baudrate/Parität falsch; Kabelbruch/Polarität vertauscht

1. SSCOM Parameter testen; 2. A/B tauschen; 3. Kabeldurchgang prüfen.

Multimeter, SSCOM

CRC/LRC Fehler

30%

Störung/Rauschen; Fehlender Abschlusswiderstand

1. Geschirmtes Kabel + 120Ω Widerstand; 2. Verkürzen <100m; 3. Trenntrafo.

Oszilloskop, Modbus Doctor

Abnormale Daten/Versatz

15%

Adress-/Byte-Reihenfolge falsch; Skalierung vergessen

1. Handbuch Registertabelle prüfen; 2. Big/Little Endian wechseln; 3. Mit Simulator validieren.

Modbus Poll, Handbuch

Gelegentlicher Ausfall

10%

Langstreckendämpfung; Spannungsschwankungen

1. RS-485 Verstärker hinzufügen; 2. Netzteil stabilisieren; 3. Polling-Intervall erhöhen.

Signalgenerator

Broadcast keine Antwort

5%

Falsche Verwendung Adresse 0; Slave unterstützt es nicht

Bestätigen, dass Broadcast nur Schreiben (kein Lesen); Firmware aktualisieren.

Spezifikation lesen

Hinweis: Loganalyse erste Wahl – Gateway-UI erfasst Rohframes, Hex-Editor vergleicht CRC (Online-Rechner).

ree


12. Zusammenfassung


Das Modbus-Protokoll, obwohl in den 1970er Jahren entstanden, hat sich aufgrund seiner Einfachheit, Zuverlässigkeit und Offenheit zum "ewigen Grundstein" der globalen industriellen Datenerfassung entwickelt. Von der seriellen Innovation 1979 bis zum Edge-IoT-Bridging 2025 hat es die Automatisierung vom mechanischen Zeitalter bis zur intelligenten Ära miterlebt und vorangetrieben. In Szenarien wie Energie, Petrochemie und Wasserwirtschaft verarbeitet Modbus weiterhin riesige Mengen an Echtzeitdaten, und seine Ökosystemgröße (>2000 unterstützende Hersteller) sichert seinen unersetzlichen Status.


In die Zukunft blickend, wird sich Modbus mit der Verbreitung von 5G/TSN

weiterentwickeln: Modbus over TSN ermöglicht Mikrosekunden-Synchronisation, kombiniert mit AI-Gateways für prädiktive Analyse. Aber seine Kernphilosophie – "Einfachheit ist Stärke" – wird niemals veralten. Für Ingenieure ist die Beherrschung von Modbus nicht nur eine Fähigkeit, sondern der Schlüssel zum Verständnis der "grundlegenden Logik" der Industrie; für Unternehmen ist es ein risikoarmer Startpunkt der digitalen Transformation.


Dieses Whitepaper basiert auf der Modbus Organization-Spezifikation (v1.1b3) und Feldpraxis, Feedback und Erweiterungen sind willkommen (z.B. Profibus Vergleich). Modbus ist mehr als ein Protokoll, es ist ein Symbol für industrielle Robustheit – in den sich wandelnden Technologiewellen erinnert es uns daran: Eine zuverlässige Basis ist der Boden für Innovation.

4 days ago

13 Min. Lesezeit

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